selbst und ständig
Oktober 2009
Bettina Noetzel, Knäuel-Treff in Brunsbüttel
Bettina Noetzel

"Willst Du nicht ein Handarbeitsgeschäft in Brunsbüttel eröffnen?" Es ist gut sechs Jahre her, dass Bettina Noetzel mit dieser Frage ihrer Mutter konfrontiert wurde. Sie selbst hatte das vorher überhaupt nicht in Erwägung gezogen. "Ich habe zwar selbst gehandarbeitet. Besonders sticken mochte ich gern. Aber ansonsten hatte ich mich mit dem Thema nicht weiter auseinandergesetzt", erzählt Bettina Noetzel. Die Frage kam aber nicht von ungefähr: Ihre Mutter arbeitete in einem Handarbeitsgeschäft, das der Inhaber aber aufgab. Und ihre Mutter war der Meinung, dass in Brunsbüttel durchaus ein Bedarf vorhanden war.

Nach einigen Überlegungen eröffnete sie Ende November 2006 ihr Knäuel-Treff an der Koogstraße. Zur Seite stand ihr ihre Mutter und eine weitere Mitarbeiterin, die sie aus dem Vorgängerladen übernahm. Inzwischen hat die gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin, die später als Industriekauffrau arbeitete, selbst alles fest im Griff. "Zu Anfang wusste ich allerdings nicht so genau, was da auf mich zukommt", erinnert sie sich. Zum Beispiel die Kundenberatung. Außerdem musste sie sich erstmal orientieren, was in Brunsbüttel gefragt ist und was nicht, um dann zu entscheiden, welche Ware sie einkaufen muss. "Es gibt durchaus Unterschiede zwischen Brunsbüttel und Berlin", erzählt sie. Zum Beispiel geht Hardanger zurzeit nur im Norden. Die Nordlichter bevorzugen außerdem eher Blautöne, wohingegen Grüntöne kaum gefragt sind.

Selbstverständlich muss sie sich mit den neuesten Modetrends auskennen, wenn sie Ware ordert. Und sie muss wissen, welche Handarbeiten gerade hoch im Kurs stehen. Ihre Beobachtung: Einige Zeit wurde - im Gegensatz zu früher - nicht mehr so viel gestrickt, sondern viele wandten sich dem Sticken zu. Ein wenig hat sie allerdings die Möglichkeit, die Kreativität ihrer Kundinnen zu beeinflussen, indem sie selbst lange Pullover oder Jacken oder zum Beispiel auch Westen strickt. Damit kann sie zum einen deutlich machen, wie eine bestimmte Wolle wirkt, zum anderen finden sich häufig Nachahmer. Und schließlich: Wer nicht so gut mit Stricknadeln und Wolle umgehen kann, kauft schon mal das eine oder andere fertige Stück.

Dennoch: Auch das Führen eines Handarbeitsgeschäftes mit einer großen Auswahl ist nicht nur Zuckerschlecken. "Wenn die Leute weniger Geld haben, wird zunächst beim Hobby gespart", stellte Bettina Noetzel fest. Hinzu kommt: Im Sommer wird deutlich weniger gestrickt, gestickt oder gehäkelt als im Winter. "Es ist natürlich toll, wenn dann im Herbst wieder mehr Kundinnen kommen, sich Anregungen holen und einkaufen", sagt sie. Und es macht ihr Freude, ihre Kundinnen zu beraten, welche Knöpfe beispielweise am besten zu einer Strickjacke passen. Vor einiger Zeit hat sie zusätzlich einen Hermes-Paketshop in ihr Geschäft integriert - eine zusätzliche Möglichkeit fürs Handarbeiten und ihren Laden zu werben.

Ihr Geschäft ist täglich sieben Stunden geöffnet. Hinzu kommt das Ordern von Ware oder auch der Besuch einer Messe wie am 10. und 11. Oktober in Hamburg. Die Buchführung nimmt hingegen wenig Zeit in Anspruch. "Schließlich habe ich das gelernt", sagt die Kauffrau. Dennoch: Urlaub hat Bettina Noetzel in den vergangenen drei Jahren nicht gemacht. "Es ist nun mal so, an sechs Tagen in der Woche muss ich das Geschäft um neun Uhr öffnen. Da müssen eben andere Dinge zurückstehen."

Knäuel-Treff
Bettina Noetzel
Koogstraße 76
25542 Brunsbüttel
Telefon: 04852/836772