Oft ist es ein langes Suchen und Rätselraten, warum Kinder Schulprobleme haben. Und häufig haben Eltern eine lange Odyssee mit ihren Kindern hinter sich, bis die Ursache gefunden ist: nämlich Hörwahrnehmungsstörungen. Das menschliche Ohr ist normalerweise dafür geschaffen, akustische Informationen präzise weiterzuleiten und diese im Gehirn zu verarbeiten. Besteht eine Beeinträchtigung, kann dies weit reichende Folgen für das Lernen, die Kommunikation, die Bewegung, die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden haben.
Eines der wenigen Institute für Hörwahrnehmung im norddeutschen Raum betreibt Susanne Aloé seit 2007 gemeinsam mit ihrem Mann in Rellingen. Hier werden Störungen nicht nur diagnostiziert, sondern es wird auch ein Training angeboten, das zu einer besseren Hörfähigkeit führt.
Ursprünglich hatte die gebürtige Kielerin Anglistik und Mathematik studiert und war anschließend als Lehrerin tätig. "Für mich ging es aber nicht nur um die Vermittlung des Unterrichtsstoffes", sagt Susanne Aloé. Sie setzte sich auch stark damit auseinander, welche und warum Kinder in der Schule Schwierigkeiten hatten. Durch Fachliteratur kam sie darauf, dass diese mit der Hörwahrnehmung zusammenhängen könnten. Normalerweise sollten beide Ohren gleich gut und in gleicher Weise hören können. Dabei sollte die Luftleitung empfindlicher sein als die Knochenleitung, um sich gegen zu große Lautstärke schützen zu können - und um zu hören, was wichtig ist. Liegt jedoch eine Störung vor, reagieren Jungen zum Beispiel unruhig, Mädchen werden dagegen häufig ruhiger. "Kann ein Kind nicht korrekt hören, was es machen soll, ist der Misserfolg programmiert", erläutert Susanne Aloé. "Es passt im Unterricht nicht mehr richtig auf und ärgert möglicherweise seine Mitschüler, um Aufmerksamkeit zu erlangen."
Sie machte eine Ausbildung zur Systemischen Therapeutin und eröffnete vor rund zwei Jahren mit ihrem Mann das Institut für Hörwahrnehmung in Rellingen. Ihre Arbeit und Behandlung beruhen auf den Erkenntnissen des französischen Professors Alfred A. Tomatis. Wie sieht nun so eine Therapie aus? Zunächst wird von jedem Patienten - ob Kind oder Erwachsener - ein Hörprofil erstellt. Denn es gibt unterschiedlich Ursachen für eine Störung. Neben der Möglichkeit, dass Ohren unterschiedlich hören oder die Luftleitung nicht empfindlicher ist als die Knochenleitung, kann es auch sein, dass ein Patient nicht hört, aus welcher Richtung ein Ton kommt oder dass er die Tonhöhen nicht richtig unterscheiden kann.
Auf der Basis des Profils wird das Training aufgebaut, das sich in der Regel aus vier Blöcken zusammensetzt. Der erste Block besteht aus 15 Tagen mit jeweils einer Stunde Training - an sechs Tagen in der Woche. Die drei weiteren Blöcke bestehen aus acht Tagen Training von jeweils zwei Stunden. "Grundsätzlich müssen unsere Kunden ins Institut kommen, da wir regelmäßig neue Hörprofile erstellen, um Fortschritte feststellen zu können", erklärt die Therapeutin. Das Training, dessen Effekt bleibend ist, erfolgt über das Hören von Musik - zumeist Mozart - über ein spezielles Gerät und einen speziellen Kopfhörer mit einem Knochenvibrator. Das wirkt auf den ersten Blick sehr entspannend, stellt aber durchaus eine körperliche und geistige Anstrengung dar.
Nun ist das Training nicht nur für Schüler bestimmt, sondern auch für Erwachsene. "Wer beispielsweise Tonhöhen nicht korrekt erkennen und verarbeiten kann, reagiert auch nicht Zwischentöne. Für Geschäftsleute kann das sehr hinderlich sein", sagt Susanne Aloé. Zudem kann es zum Erlernen einer Fremdsprache eingesetzt werden - um sich in diese einzuhören. "Wir waren deshalb auch schon beim Bundesamt für Migration vorstellig, um unser Training Migranten anzubieten", berichtet die Therapeutin.
Ihr großer Wunsch: Sie würde gern mit einem großen deutschen Fußballverein zusammenarbeiten. Denn die Leistung der Spieler könnte sich durchaus durch eine bessere Hörwahrnehmung steigern - und vielleicht zur Meisterschaft führen.
Institut für HörWahrnehmung
Tangstedter Straße 45
25462 Rellingen
Telefon 04101/77 98 27
E-Mail: ifh-rellingen(at)web.de
